Übertragungsfunktion
Die Übertragungsfunktion bestimmt den Frequenzgang zwischen zwei Signalen und zeigt, wie ein System ein Eingangssignal im Frequenzbereich in ein Ausgangssignal umwandelt.
Verwendung
Kurzübersicht
- Eingang: Genau zwei Signale (Eingang und Ausgang)
- Einstellungen: Signale als Eingang und Ausgang zuweisen
- Ausgang: Ein oder zwei neue Signale (Betrag und/oder Phase) im Frequenzbereich
Voraussetzungen
- Genau zwei Signale auswählen
- Ausreichende Datenlänge: Mindestens 4 Datenpunkte (für aussagekräftige Ergebnisse möglichst mehr)
- Beide Signale sollten zeitsynchron sein (gleichen Zeitraum abdecken)
- Falls nicht, wird die Ausrichtung automatisch durchgeführt
- Beide Signale sollten gleichmäßig abgetastet sein
- Falls nicht, wird eine Neuabtastung automatisch durchgeführt
Einstellungen
| Parameter | Werte | Beschreibung |
|---|---|---|
| Eingangssignal | Signale | Das Eingangssignal des Systems |
| Ausgangssignal | Signale | Das Ausgangssignal des Systems |
| Betrag | aktiviert / deaktiviert | Bei Aktivierung wird der Betragsgang berechnet (Absolutwert der Übertragungsfunktion) |
| Phase | aktiviert / deaktiviert | Bei Aktivierung wird der Phasengang berechnet (Winkel der Übertragungsfunktion) |
| Startfrequenz | 0 - Endfrequenz | Untere Frequenzgrenze der Analyse; Frequenzen darunter werden ausgeschlossen |
| Endfrequenz | Startfrequenz - ∞ | Obere Frequenzgrenze der Analyse; Frequenzen darüber werden ausgeschlossen |
| Methode | FFT / Welch | FFT: Einzelne Transformation. Welch: Gemittelt über Segmente (empfohlen für verrauschte oder zusammengesetzte Daten) |
Erweitert
| Parameter | Werte | Beschreibung |
|---|---|---|
| Einheit | linear / dB | Ausgabeeinheit für den Betrag |
| Zero Padding | 0 - 10.000 | Anzahl der angehängten Nullen zur Verbesserung der Frequenzauflösung (nur FFT-Methode) |
| Segmentlänge | 0,1 - 1000 s | Länge jedes Segments bei der Welch-Methode. Länger = bessere Frequenzauflösung, kürzer = mehr Mittelung |
| Überlappung | 0 - 0,9 | Überlappung zwischen Segmenten bei der Welch-Methode. 0,5 (50 %) ist typisch |
Ausgabe
Je nach gewählten Einstellungen erzeugt diese Operation ein Betrags- und/oder Phasensignal:
Betragsgang
- Name:
{Ausgangssignalname} - TF Magnitude - X-Achse: Frequenz (Hz)
- Y-Achse: Betrag (linear oder dB)
- Interpretation: Zeigt, wie stark das System verschiedene Frequenzen verstärkt oder dämpft
- Name:
Phasengang
- Name:
{Ausgangssignalname} - TF Phase - X-Achse: Frequenz (Hz)
- Y-Achse: Phase (Radiant)
- Interpretation: Zeigt die vom System eingeführte Phasenverzögerung bei verschiedenen Frequenzen
- Name:
Info
Die Frequenzauflösung hängt von der Länge und Abtastrate des Eingangssignals ab. Zero Padding kann die Auflösung geringfügig verbessern.
Beispiel-Workflow
Bei der Analyse von Messdaten könnte ein typischer Workflow so aussehen:
Tiefpassfilter auf beide Signale anwenden.
Übertragungsfunktion
Beide Signale als Eingang verwenden und den Betrag berechnen.
Gleitender Mittelwert
Einen gleitenden Mittelwert auf das Ergebnis anwenden.
Für mehrere Messungen desselben Systems wiederholen.
Mittelwert
Die Mittelwert-Operation verwenden, um die Ergebnisse zu kombinieren.
Das Ergebnis ist ein Signal mit den Systemcharakteristika.
Dieser Ansatz ermöglicht den Vergleich des Übertragungsverhaltens verschiedener Systeme.
Technische Details
Methoden
Diese Operation unterstützt zwei Methoden zur Berechnung der Übertragungsfunktion:
FFT-Methode (Standard)
Der klassische Einzeltransformations-Ansatz. Geeignet für:
- Saubere Signale mit minimalem Rauschen
- Einzelne Sweeps oder kontinuierliche Anregung
- Wenn maximale Frequenzauflösung benötigt wird
Welch-Methode
Teilt das Signal in überlappende Segmente, berechnet die Übertragungsfunktion für jedes Segment und mittelt die Ergebnisse. Geeignet für:
- Verrauschte Daten – Mittelung reduziert Rauschen
- Zusammengesetzte Messungen – vermeidet Phasenartefakte durch Zeitversätze
- Mehrere Sweeps in einer Aufnahme – jeder Sweep wird zu einem Segment
- Stabilere und reproduzierbarere Ergebnisse
Die Welch-Methode berechnet:
Dabei ist die Kreuzspektraldichte und die Leistungsspektraldichte, beide berechnet mit der Welch-Methode mit Hanning-Fenster und konfigurierbarer Überlappung.
Wann die Welch-Methode nutzen
Die Welch-Methode verwenden, wenn:
- Mehrere Messungen zusammengefügt wurden
- Die Daten Lücken oder Pausen zwischen den Sweeps enthalten
- Glattere und robustere Ergebnisse gewünscht sind
- Phasengenauigkeit wichtig ist
Vorverarbeitung
Zunächst werden die ausgewählten Signale in folgenden Schritten vorverarbeitet:
- Ausrichtung
- NaN-Behandlung
- Neuabtastung
- Zero Padding
Hauptoperationen
FFT-Methode
Die Übertragungsfunktion wird im Frequenzbereich mittels Fast Fourier Transform (FFT) berechnet.
Die FFT wird für beide Signale mit numpy.fft.fft berechnet:
Die entsprechenden Frequenzbins werden mit numpy.fft.fftfreq berechnet:
wobei die Anzahl der Abtastwerte und die Abtastrate ist.
Die Übertragungsfunktion ergibt sich dann als:
Welch-Methode
Die Welch-Methode verwendet scipy.signal.csd für die Kreuzspektraldichte und scipy.signal.welch für die Leistungsspektraldichte:
- Das Signal wird in überlappende Segmente der Länge
npersegaufgeteilt - Jedes Segment wird mit einem Hanning-Fenster multipliziert
- Für jedes Segment wird die FFT berechnet
- Kreuzspektraldichte und Leistungsspektraldichte werden über alle Segmente gemittelt
- Die Übertragungsfunktion wird berechnet als:
Diese Mittelung reduziert die Varianz und liefert eine stabilere Schätzung, besonders bei verrauschten Daten.
Betrag
Der Betrag wird durch den Absolutwert des Übertragungsverhaltens mit numpy.absolute berechnet:
dB-Umrechnung
Bei Auswahl von dB wird das Ergebnis in Dezibel umgerechnet:
Phase
Die Phasenantwort wird als Winkel (Argument) der Übertragungsfunktion mit numpy.angle berechnet:
Nachverarbeitung
Das Ergebnis wird auf den angegebenen Frequenzbereich gefiltert.
Typische Anwendungsfälle
- Systemidentifikation: Übertragungsfunktion eines unbekannten Systems messen, indem ein bekanntes Eingangssignal angelegt und das Ausgangssignal gemessen wird.
- Filtercharakterisierung: Frequenzgang analoger oder digitaler Filter analysieren.
- Schwingungsanalyse: Untersuchung, wie mechanische Systeme auf verschiedene Frequenzanregungen reagieren.
- Regelungsentwurf: Analyse der Streckendynamik für den Reglerentwurf.